Einmal Lehrer sein: die Adolfiner aus der Einführungsphase im Unterricht mit den Grundschülern.

Was macht eigentlich ein "MINT-Lehrer"?

Schüler unterrichten Nachwuchsforscher

13.30 Uhr, Gymnasium Adolfinum, Fachräume der Biologie: Vierzig kleine Nachwuchsforscher der umliegenden Moerser Grundschulen erwarten freudig die kommende MINT-AG-Stunde. Das Besondere: Sie werden von zehn Schülerinnen und Schülern der Einführungsphase (Jahrgangsstufe 10) unterrichtet, die im Rahmen des Programms zur MINT-Lehrer-Nachwuchsförderung (kurz: MILeNa) einen intensiven zweijährigen Einblick in den Beruf des MINT-Lehrers bekommen.

Das Thema der heutigen Stunde: "Die Chemie des Wassers". Lehrerin Luzi Weichert führt mit ihrer kleinen Gruppe , die aus vier interessierten und motivierten Mädchen besteht, ein spannendes Experiment durch. Wie kann man Schmutzwasser wieder reinigen? Zuerst wird dazu natürlich Schmutzwasser benötigt. Mit Freude wird in einem Becherglas Erde, Sand und Salz mit Wasser vermengt. Und die Reinigung? Für die kleinen Forscher kein Problem! Mit Sieb sowie Filter und Filterpapier sind Erde und Sand schnell abgetrennt. Anschließend wird das Wasser eingedampft, um das Salz zurückzugewinnen. Luzi führt ruhig und unaufgeregt durch das Geschehen und behält auch dann einen kühlen Kopf, wenn es mal lauter wird. Die didaktische Vorbereitung zur Durchführung einer solchen Arbeitsgemeinschaft erhielten die MILeNas, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer liebevoll genannt werden, im Zuge eines viertägigen Workshops an der RWTH Aachen, Kooperationspartner des Gymnasium Adolfinum im Zuge des Programms.

Neben der MINT-AG erfolgt im Laufe des ersten Programmjahres die Teilnahme der MILeNas am Projekt „ Die Großen mit den Kleinen", welches jährlich am Ende des ersten Schulhalbjahres am Gymnasium Adolfinum stattfindet. Nach drei Tagen intensiver Vorbereitung, in der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der benachbarten Gebrüder-Grimm-Grundschule hospitieren und die vorbereiteten Unterrichtseinheiten kennenlernen und ausprobieren dürfen, erfolgt an sechs aufeinanderfolgenden Tagen das Unterrichten von Drittklässlern der umliegenden Moerser Grundschulen, die in Klassenstärke zum Gymnasium Adolfinum kommen. „Die Chemie der Säuren und Basen" oder „Der Bauernhofrundgang" waren die Themen in den Fächern Chemie und Biologie. Aber auch das Programmieren von kleinen Robotern, den Probots, im Fach Informatik oder das Thema „Strom" im Fach Physik bereitet den Jungforschern stets viel Freude. Zwei Doppelstunden am Tag mit einer Kleingruppe Grundschülerinnen  und Grundschülern, spannend und abwechslungsreich, aber auch anstrengend. Und nachmittags ist noch nicht Schluss, denn dann geht es an das Korrigieren von Tests, die die Grundschulen den MILeNas zur Verfügung stellen. „Wir wollen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Projekt „Die Großen mit dem Kleinen" einen umfassenden und authentischen Einblick in den Lehrerberuf erhalten", so Thorsten Klag, Koordinator der Oberstufe. „Und das gelingt nur, wenn wir alle Facetten des Berufes, auch Tätigkeiten am Nachmittag wie die Vorbereitung auf den Unterricht oder das Korrigieren berücksichtigen“.

Auch die Moerser Grundschulen sind mit dem Angebot des Adolfinums sehr zufrieden. Die Anmeldungen zum Projekt übersteigen regelmäßig das Kontingent. Für einzelne Schulen, wie die Martinus-Schule in Rheurdt, Kooperationsschule des Adolfinums im Netzwerk „Zukunftsschule NRW", gibt es dann noch einmal ein besonderes Bonbon: Ein MINT-Tag an der Grundschule, den die MILeNas zusammen mit ihren betreuenden Lehrkräften Patrick Schubert und Tobias Packenius gestalten. Auch hier steht wieder der schülerorientierte Experimental-Unterricht im Mittelpunkt, um das Interesse der Grundschülerinnen und Grundschüler für die Naturwissenschaften zu stärken.

Die Martinus-Schule sowie die Moerser Dorsterfeld-Schule, ebenfalls Partnerschule im Netzwerk "Zukunftsschule NRW", stellen auch die Zielgruppe für die AdolfinumMedienGuides (kurz: AMG). Auch hier sind MILeNaS, aber aus dem zweiten Projektjahr in der Qualifikationsphase I, beteiligt. Die Inhalte zur Medienerziehung, die die MILeNas mit den Grundschülerinnen und Grundschülern durchführen, werden im Projektkurs der Q1, den MINT-Lehrerin Katharina Adams und MINT-Lehrer Tim Herrmann betreuen, erarbeitet. „Wir thematisieren mit den Grundschülerinnen und Grundschülern nicht  nur den Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen wie MS Word, sondern gehen auch auf die Gefahren von neuen Medien, wie z.B. den Umgang mit WhatsApp, ein“, erklärt Projekt-Koordinator Andreas Lind. „Die MILeNas sind digital natives, die mit diese  Medien aufgewachsen sind und ihre Erfahrungen an die nachfolgenden Schülerinnen und Schüler weitergeben. Wer könnte das besser als sie?“

Insgesamt ist das Programm zur MINT-Lehrer-Nachwuchsförderung am Gymnasium Adolfinum stetig gewachsen und mittlerweile aus dem vielfältigen Angebot der Schule nicht mehr wegzudenken. „Das Programm  ist für alle Beteiligten ein sehr großer Gewinn“, bilanziert Patrick Schubert. "Es bietet viele Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit Grundschulen, Universitäten oder anderen Bildungseinrichtungen und fördert das gemeinsame Lernen von Schülerinnen und Schülern verschiedener Altersstufen und Jahrgänge". Das findet auch Luzi Weichert, die sich schon auf das nächste Highlight freuen darf: Eine zweitägige Fahrt mit den anderen MILeNas zu einem außerschulischen Lernort. Dieses Jahr geht es nach Bremen und Luzi und ihre Mitstreiter werden uns von ihren Erlebnissen berichten.  

Text & Fotos: Patrick Schubert.

— [Thomas Kozianka]

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