Besuch aus Berlin: Siegmund Ehrmann, MdB (links) und Roland Jahn (rechts) mit Bürgermeister Christoph Fleischhauer.

Hoher Besuch aus Berlin

Adolfiner treffen Roland Jahn, Leiter der Stasiunterlagenbehörde

Auf Einladung von Siegmund Ehrmann, Wahlkreisabgeordneter von Moers im Bundestag und dort Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien, ist am Montag, dem 8. Juni 2015, Roland Jahn in die Stadtbibliothek Moers zum Zeitzeugengespräch gekommen. Neben Schülerinnen und Schülern des Gymnasium in den Filder Benden haben die Klassen 9c und 9d unter der Leitung von Daniel Heisig und Philipp Stahlmann bei diesem interessanten Termin teilgenommen. Drei Schülerinnenberichte zum Leben von und der Veranstaltung mit Roland Jahn finden Sie hier.

Ina Feltgen, Klasse 9d

Am 8. Juni 2015 besuchte der Zeitzeuge Roland Jahn die Stadt Moers, um Schülern des Adolfinums und des Filder Bendens aus seiner zeit als DDR-Bürger zu erzählen. Zu Anfang berichtete er von seinen Eltern, die in der Hitlerjugend waren. Sein Vater musste mit 17 Jahren in den Krieg ziehen und verlor dort ein Bein. Jahn selbst wurde von seinen Eltern dazu aufgefordert unpolitisch zu sein, was er jedoch nicht konnte. Er erzählte, dass es den DDR-Bürgern untersagt war Musik aus dem Westen zu hören oder Fernsehen aus dem Westen zu sehen. Aufnahmen daraus waren nicht erwünscht. Es war außerdem verboten, als Junge lange Haare zu tragen, somit wurde man zu einem Friseurbesuch gezwungen. Seine Eltern rieten Roland Jahn sich in der Armee, sowie im Studium unterzuordnen.

Er war allerdings mit der Politik und den Regeln nicht einverstanden, wehrte sich deshalb später. Einmal hat er bei Wahlen die vorgegebene Liste durchgestrichen, was zu einer Vorladung beim Rektor seiner Universität führte. Seine Kommilitonen, größtenteils seine Freunde, mussten über seinen Verbleib an der Uni abstimmen. Diese versprachen ihm zwar für ihn zu stimmen, verrieten ihn jedoch, was zum Abbruch seines Studiums führte. Sie stimmten 13:1 gegen ihn. Es stellte sich circa 2 Jahre später heraus, dass sie zuvor von einem Offizier der Stasi unter Druck gesetzt wurden.

Wollte man zu dieser Zeit studieren, musste man in der DDR Wehrdienst leisten. Jahn wurde zu den Bereitschaftstruppen zugeordnet. Dort merkte er, dass er bei den Übungen gegen einen Demonstranten wie ihn selbst Einsätze probte.

Es war bekannt, dass das Handeln der Kinder für die Eltern Konsequenzen hatte. Somit durfte und wollte Jahn seine Unzufriedenheit nicht äußern, da es eine Gefahr für die Arbeit seines Vaters dargestellt hätte. Da ihr Sohn ein Rebell war und sich gegen die DDR stellte, machten sich seine Eltern Sorgen um ihn, aber auch um ihre Arbeit. Sein Vater hatte die Kamera für den ersten Weltraumbesuchs eines DDR-Bürgers entwickelt und war sehr stolz auf seine Arbeit. Deshalb nahm Jahn Rücksicht auf seine Eltern und wurde erst mutiger zu rebellieren als sein Vater in Rente war.

Roland Jahn sagte, dass er glücklich darüber ist, dass es eine friedliche Revolution gab und er in seine Stasi-Akte einsehen konnte, auch wenn er dort erfuhr, welcher seiner Freunde ihn verraten haben.

Bei seiner jetzigen Aufgabe sorgt er dafür, dass alte Stasi-Akten offengelegt werden, wenn die jeweiligen Bürger Einblick verlangen. Jahn erwähnte ebenfalls die 91.000 hauptamtlichen Mitarbeiter der Stasi die doppelt so vielen inoffiziellen Mitarbeiter. Jahn berichtete von dem Misstrauen, dass die Stasi gegen ihre eigenen Mitarbeiter hatte. Außerdem veranschaulichte er, wie die Stasi selbst Familien oder Ehen auseinander zu bringen versuchte. Laut Jahn werden die Tätigkeiten der Stasi heute nicht mehr strafrechtlich verfolgt

Jelina Kulaksiz, Klasse 9d

Roland Jahn wurde am 14. juli 1953 in Jena geboren. Er lebte bis zum 8. Juni 1983 in der DDR. An diesem Tag wurde er zwangsabgeschoben.

Bei Wahlen strich er als Kritik am und aus Protest gegen das Regime die Namen der Kandidaten auf dem Wahlzettel durch und warf ihn in die Urne. Für Zuständigen der Wahl war dies eine fehlendes Bekenntnis zur DDR und dies hatte zur Folge, dass er seine Studium beenden musste.

Die Entscheidung darüber musste seine Seminargruppe fällen. Weil seine Kommilitonen von der Stasi unter Druck gesetzt wurden, stimmten seine Freunde 13:1 gegen ihn. Die Studenten fühlten sich gezwungen gegen ihn zu stimmen, denn sonst würde deren Zukunft oder deren Familien darunter leiden.

Roland Jahns Eltern rieten ihrem Sohn sich von der Politik fernzuhalten, aber die Worte seiner Eltern hielten ihn nicht davon ab gegen die Regierung zu protestieren. Seine Proteste hatten zu Folge, dass er mehrmals verhört und auch verhaftet wurde. Aber auch die Verhaftungen hielten ihn nicht davon ab weiter für Frieden und Gerechtigkeit zu demonstrieren. In diesem Zuge gründete Roland Jahn 1983 die oppositionelle Friedensgemeisnchaft Jena.

In der Zwischenzeit lernte er Petra Falkenberg kennen und lieben. Ihre gemeinsame Tochter kam 1979 zur Welt. In den frühen Achtziger Jahren führte die Stasi dann die Operation "Gegenschlag" durch, so dass am 18. Mai 1983 über vierzig Oppositionelle verhaftet wurden. Dabei wurde Roland Jahn in einem Zug gefangen gehalten und in den Westen zwangsausgesiedelt und von seiner Familie getrennt. Er sagt dazu: "Ich wurde nicht nur von meinen Eltern, meiner Frau und meiner Tochter getrennt, sondern ich wurde aus meiner Heimat verbannt."

Leah Mangel, Klasse 9d

Roland Jahn war am 08. Juni 2015 in der Bücherei in Moers zu Besuch und erzählte über seine Leben in der DDR.

Roland Jahn wurde am 14. Juli 1953 in Jena geboren. Er lebte in der DDR, in der strenge Regeln herrschten. Als er noch ein Kind warm war das Westfernsehen in der DDR verboten. Seine Eltern waren dabei nicht so streng und erlaubten es ihm jedoch nur unter Bedingung, dass er in der Schule nichts davon erzählte. Die Antenne auf dem Dach war durch einen Besenstiel getarnt. In der Schule durfte man als Junge keine langen Haare haben. Sonst durften man nicht zu Prüfungen antreten.

Nach der Schule leistete Roland Jahn seinen Armeedienst ab. Danach wollte er seine Studium beginnen, jedoch stand auf seinem Zeugnis, dass sein Klassenstandpunkt nicht ausreichte. Somit wäre er nicht zum Studium zugelassen worden. Nach einem Gespräch mit seinem Lehrer bekam er die Bemerkung "Er muss sich noch mehr um seinen Klassenstandpunkt bemühen" und konnte so sein Studium aufnehmen. Da es in der DDR keine freien Wahlen gab, wie man sie von heute kennt, nahm Roland Jahn den Wahlzettel und strich alle aufgeführten Kandidaten durch. Der Staat sah dies als Gegenstimme und seine Seminargruppe musste über seinen Verbleib an der Universität entscheiden. 13 zu 1 stimmten gegen ihn. Dieser Verrat seiner Freunde war ein herber Schlag für Roland Jahn. Danach musste er seine Studium abbrechen.

Solange sein Vater noch arbeitete war Roland Jahn insgesamt zurückhaltender, aber sobald sein Vater in Rente ging, wurde er mutiger. Auf den Tag genau 32 Jahre vor dem Gespräch in der Moerser Bücherei wurde Roland Jahn am 08. Juni 1983 von der Stasi festgenommen und mit einem Zug zwangsweise in den Westen gebracht.

Roland Jahn sagte, dass die Freiheit in der BRD für ihn nur eine halbe Freiheit war, denn er verlor seine Freunde und seine Familie. Dies Ausbürgerung war für ihn eine härtere Strafe als im Gefängnis einzusitzen. Dies ist für Roland noch heute ein sehr bewegendes Ereignis.

Seine heutige Aufgabe besteht darin, dass Menschen über die die Stasi Akten anlegte, Einblick in diese erhalten. Jeden Monat erhält die Behörde circa 5.000 Anträge auf Einsicht in Akten. Heute existieren noch 15.000 Säcke mit Schnipseln von Stasi-Akten und 111.000 km an Stasi-Akten.

Roland Jahn sagt, dass er trotz allem ein schönes Leben in der DDR hatte, weil er es sich selbst schön gemacht habe. Allerdings zweifelt er auch heute immer noch, ob er alles richtig gemacht habe. Manchmal, denkt er, hätte er mehr Rücksicht auf seine Eltern nehmen sollen.

— [Daniel Heisig-Pitzen]

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