Zweitzeugengespräch mit Oliver Vrankovic

Am vergangenen Montag durfte das Adolfinum, in Kooperation mit der Herrmann-Runge- Gesamtschule, den Zweitzeugen Oliver Vrankovic in der Aula willkommen heißen. Der 44-jährige lebt seit 2007 in Israel und arbeitet dort seit 2010 als Pflegehelfer im sogenannten Elternheim Pinchas Rozen bei Tel Aviv. Die Einrichtung wurde für deutsche Holocaust-Überlebende gegründet, die nach dem zweiten Weltkrieg nach Palästina geflohen waren und später zu Mitbegründern des israelischen Staates wurden.

Für Oliver Vrankovic war dies zunächst ein schwieriges Thema. In seinem Vortrag errichtete er, zu Beginn Angst gehabt zu haben, mit den Bewohnern über ihre Erlebnisse im Holocaust zu sprechen. Die Ungewissheit, wie er selbst mit den Geschichten umgehen würde, hielt ihn zunächst davon ab, die Vergangenheit der Heimbewohner thematisieren zu wollen. Doch die Erkenntnis, dass dies unbedingt nötig war, um aus der Historie lernen zu können und die Lehren der Geschehnisse weiterzugeben, erreichte ihn schnell. Oliver Vrankovic fing also an, mit den Menschen über ihre Erlebnisse zu sprechen und merkte schnell, dass auch von ihnen eine große Bereitschaft ausging, ihre Geschichten weiterzugeben.
Im Rahmen des Gespräches berichtete Oliver Vrankovic von seinen Erfahrungen und Erlebnissen mit den Menschen. „Ich habe viele Geschichten gehört, die unglaublich sind“, erzählte er. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese nun weiterzugeben. Gestützt wurde der Vortrag von Videomaterial, welches Ausschnitte von Interviews mit den Zeitzeugen selbst zeigte, sowie Einblicke in den Alltag der Menschen gewährte - auch jenseits ihrer Vergangenheit. Die Zuhörer lernten so viele der Heimbewohner und ihre Schicksale kennen. Neben den  Einzelschicksalen der Menschen war auch der Umgang mit dem Holocaust in Deutschland wichtiger Teil des Vortrags. Oliver Vrankovic verdeutlichte, wieso die deutsche Holocaust-Pädagogik oft daran scheitert, ein richtiges Verständnis des Holocausts und der Bekämpfung von Antisemitismus zu lehren.

Gerade deswegen ist es Oliver Vrankovic so wichtig, die Geschichten der Überlebenden weiterzugeben, auch wenn diese dazu selbst nicht mehr in der Lage sind. Er erzählte, von
einzelnen Bewohnern sogar direkt dazu aufgefordert worden zu sein, mit den Erzählungen um die Welt zu ziehen. Denn nur so hat das oft erwähnte „Nie wieder!“ überhaupt eine
Bedeutung. Nur wenn die Geschichten der Überlebenden bekannt sind, kann eine Lehre aus den Geschehnissen gezogen werden. Und so nahmen auch alle Zuhörer mit, weshalb
eine direkte Auseinandersetzung mit Zeit- bzw. Zweitzeugen wie Oliver Vrankovic, bei der Aufklärung über die Geschichte so wichtig ist.

Text: Sarah Hamid und Laura Scholten, Q1

— []

Zurück

Weitere Nachrichten

Naturwissenschaftswettbewerb:
Adolfinum mit Spitzenleistungen in NRW

Neun Preissieger auf Kreisebene vom Adolfinum

Einsatz gegen menschenunwürdige Arbeitsbedingungen

Weihnachtsmarktverkaufsstand voller Erfolg

Q2 SoWi Lk auf Besuch im
Düsseldorfer Landtag

Bio-Olympiade: fünf Adolfinerinnen ausgezeichnet

Auschwitzprojekt gestaltet Einweihungsveranstaltung mit

Geschichtskurs besucht Ausstellung „Unsere wechselvolle Demokratiegeschichte“

Chöre, JungeSinfonieMoers und "Wood'n'Brass" rocken Aula

7e auf Klassenfahrt in Duisburg

Englisch-Kurse auf Exkursion zur Ausstellung "Das zerbrechliche Paradies"