Polenfahrt fand nach zweijähriger Pause erneut statt

Die vergangenen beiden Jahre stellten eine große Herausforderung für unser Projekt dar. Coronabedingt konnte in den Jahren 2020 und 2021 keine großangelegte Jahrgangsstufenfahrt nach Auschwitz und Krakau stattfinden. Gerade für ein Projekt, das von Langfristigkeit und stufenübergreifendem Engagement lebt, ist dies eine denkbar schwierige Situation.
Trotz der vielen Herausforderungen stand das Projekt jedoch nie still. Hinter den Kulissen arbeiteten alle Beteiligten mit vollem Engagement auf den Tag hin, an dem wieder eine großangelegte Fahrt möglich sein würde. Neben der konzeptionellen Planung stand dabei vor allem die Ausbildung einer neuen TeamerInnen-Generation (ehemalige und ältere SchülerInnen, welche das Projekt mittragen) im Fokus:
Nach mehreren digitalen Teamer-Treffen, konnten wir uns schließlich erneut in Präsenz an der Schule treffen und an diversen Veranstaltungen in der Stadt teilnehmen. So stellten wir beispielsweise unser Projekt am Moerser Festtag „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ vor. Darüber hinaus nahmen wir an den Gedenkveranstaltungen zum 9. November und zu den Deportationen nach Riga teil. Weitere wichtige Meilensteine in diesem Zusammenhang waren die Exkursion zu unserem Bildungspartner Vogelsang IP, das Z(w)eitzeugengespräch mit Herrn Oliver Vrankovic sowie die Pilotfahrt der neuen TeamerInnen und Teamer nach Auschwitz und Krakau im November. Im Januar fand schließlich das Teamer-Wochenende auf der Wewelsburg statt, womit die Ausbildung einer neuen TeamerInnen-Generation abgeschlossen war und die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf die Fahrt im Sommer beginnen konnte.

Eindrucksvoll: Claudia Latusek, Maximilian Jobst und Merle Hiller bedanken sich im Namen der gesamten Gruppe bei der Zeitzeugin Niusia Horowitz für das Gespräch.

Am Freitag, dem 17.6.2022 war es dann endlich soweit: 193 Adolfiner konnten wieder in den Bus nach Auschwitz und Krakau steigen. Um 4:30 Uhr ging es los. Wir alle freuten uns auf diese Fahrt und waren sehr gespannt darauf, welche Erlebnisse und Eindrücke und vor Ort erwarten würden.
In diesem Jahr hatten wir erneut das Glück, mit Zeitzeugen sprechen zu können:
In Krakau trafen wir Frau Monika Goldwasser. Die Zeitzeugin wurde 1941 in Myślenice geboren. Im Gegensatz zu ihren Eltern überlebte sie die Shoah, da sie vor der Deportation in eine Pflegefamilie gegeben wurde. Im Laufe ihres Lebens begab sich Frau Goldwasser auf die Suche nach ihren Spuren und arbeitete das Schicksal der eigenen Familie auf.
Am Mittwoch trafen wir Frau Niusia Horowitz (90) in Oświęcim. Frau Horowitz wurde am 22. April 1932 in Krakau geboren und entstammte aus einer bürgerlichen jüdischen Familie. Mit 8 Jahren begann ihre Zeit in Gefangenschaft. Sie wurde deportiert und musste Zwangsarbeit leisten. 1944 kam sie schließlich in das KZ Auschwitz. Dass die Zeitzeugin überlebte und uns ihre Lebensgeschichte erzählen konnte, verdankte sie auch Oskar Schindler, auf dessen berühmter Liste ihr Name stand.
Bis zu unserer Rückkehr am Donnerstag hatten wir viele intensive Begegnungen mit Geschichte in Auschwitz und Krakau. Die zahlreichen Gespräche innerhalb der Kleingruppen vertieften das Erlebte, sodass wir etwas anders nach Hause kamen, als wir weggefahren sind.
Ein besonderer Dank gilt allen Unterstützern unseres Projekts und vor allem den Teamerinnen und Teamern, die in besonderem Maße dazu beigetragen haben, dass unser Projekt auch nach einer zweijährigen Unterbrechung weitergeführt werden kann.

Text: Daniel Schirra

Stimmen zur Polenfahrt

Sophia Meißner, EPh

Die Polenfahrt wurde in der fünften Klasse bereits erwähnt und hat mich damals schon neugierig
gemacht. In den folgenden Jahren wuchs mein Interesse an der Fahrt, v.a. als man das Thema im Fach Geschichte behandelte.
Während der Vorbereitung bekamen wir dann erste Eindrücke, von dem, was uns erwarten sollte. Ich persönlich war mir unsicher, ob mir wirklich bewusst war, wie schrecklich die Nazis und ihre Mitläufer gewesen waren. Ich habe schon vieles gehört und gelesen, doch egal wie gut man schon vorbereitet ist: Erst, wenn man selbst in einem ehemaligen KZ steht, wird man verstehen, was ich meine, wenn ich sage, dass man spürt, was passiert ist. Ich hätte während der Vorbereitung nicht gedacht, dass die Geschichten, die Fotos, die Ausstellungen und die berühmte Masse an Haaren und Schuhen so viel in mir bewirken könnte - so eine Fassungslosigkeit. Wie konnten Menschen bei so etwas zusehen und mitmachen?!
Unser Guide in Birkenau hat unserer Gruppe gesagt: „Jeder solle das KZ einmal besucht haben,
damit nicht vergessen wird und, dass dieser Schrecken nicht erneut passiert.“ Diesem Satz kann ich nur voll und ganz zustimmen.
Ich persönlich stand sehr lange in dem Flur, in dem viele Portraits an den Wänden hingen. Ich
habe versucht, mir all die Namen und Berufe durchzulesen. Ich wollte meinen Respekt zeigen. Doch die große Anzahl an Menschen machte mein Vorhaben leider unmöglich. In der Gedenkstätte fragt man sich immer wieder, wie Menschen es zulassen konnten, dass man so mit anderen Menschen umgeht.
Das Zeitzeugengespräch war ebenfalls eindrucksvoller, als man es hätte beschreiben können. Von
einem Menschen aus erster Hand zu hören, was ihm angetan wurde, ist eine gänzlich andere Erfahrung, als in Filmen und Büchern darüber zu lernen.

Thomas Koch, EPh

Vor gut 6 Wochen sind wir mit der Stufe nach Polen gefahren, um die Stadt Kraków und die Gedenkstätte Auschwitz zu besichtigen.
Die Vorbereitung hat bereits mehrere Monate vor der eigentlichen Fahrt begonnen. Unsere Kleingruppe hat sich alle 2 bis 3 Wochen getroffen. In 30- bis 45-minütigen Treffen haben wir uns über viele unterschiedliche Themen unterhalten, beispielsweise über den Aufbau der zu besichtigenden Konzentrationslager, über den Zweiten Weltkrieg oder über Dokumentationen zum Thema.
Meiner Meinung nach war die interessanteste Erfahrung das Zeitzeugengespräch in Kraków. Man konnte einer Person zuhören, die vor Ort war. Die Gefühle dabei waren viel intensiver als bei einem Dokumentarfilm.
Heute, nach fast zwei Monaten, realisiert man erst, was man erlebt hat. Wenn man sich beispielsweise jetzt einen Dokumentarfilm anschaut, erkennt man Orte wieder, an denen man gewesen ist und man versteht, dass die Ereignisse wirklich real waren. Außerdem wird einem jetzt noch mehr bewusst, welches Leid die Menschen ertragen mussten.
Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass mir die Fahrt sehr gut gefallen hat. Außerdem muss gesagt werden, dass Kraków auch eine sehr schöne Stadt mit vielen Interessanten Sehenswürdigkeiten ist.

Jakob Güldenberg, Eph

Die Erfahrungen der Polenfahrt werden mir sehr lange in Erinnerung bleiben. Die Erlebnisse in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau haben einen dauerhaften Eindruck bei mir
hinterlassen. Durch die Führung über das Gelände bekam man ein sehr klares Bild von den Schrecken und dem Leid, welches die Opfer des Nationalsozialismus in Auschwitz-Birkenau erfuhren.
Hinzu kommt das Zeitzeugengespräch, welches durch die persönliche Komponente eine sehr emotionale Erfahrung war. Die Erfahrungen eines Opfers persönlich zu hören, war sehr bewegend, vor allem durch die teilweise sehr bildlichen Schilderungen.
Ich denke die Polenfahrt war ein sehr wichtiges Erlebnis für mich, da sie einem Thema, welches immer noch eine große Rolle in der heutigen Zeit spielt, eine deutlich weniger
abstrakte Perspektive verliehen hat und mir dabei geholfen hat, die Ausmaße des Verbrechens wirklich zu verstehen.

Paula Schmitz, Eph

Die Polenfahrt des Jahres 2022 war ein einmaliges Erlebnis!
Unsere Vorbereitung auf diese machte einen großen Teil davon aus. In den Kleingruppen haben wir gemeinsam Wichtiges erarbeitet und dabei zum Beispiel über Einzelschicksale geredet, Erwartungen besprochen und vieles mehr. Ohne unsere großartigen Teamer wäre das Ganze nicht möglich gewesen. Mit ihrer Hilfe konnten wir uns super auf die Fahrt vorbereiten und auch möglichst viele Erfahrungen sammeln.
Nicht nur das Besuchen zahlreicher Gedenkstätten, sondern auch Erkundungstouren durch Krakau blieben besonders in Erinnerung. Vor allem die Foto Rally, bei der wir in kleinen
Gruppen durch die Stadt gezogen sind und Fotos nachgestellt haben, die uns vorher gegeben wurden. Dabei konnten wir die Stadt besser kennenlernen und unsere
Navigationsfähigkeit verbessern.
Auf dieser besonderen Fahrt wurde man ständig zum Nachdenken angeregt. Meine MitschülerInnen und ich haben ein besseres Verständnis für diesen dunklen Teil der deutschen Geschichte entwickelt, was wir nun mit anderen teilen können, um die tragischen Schicksale dieser Menschen nie zu vergessen.

Das Auschwitzprojekt am Adolfinum – ein wichtiger Neustart nach den Coronajahren 2020 und 2021

Nachdem die Fahrten nach Auschwitz und Krakau in den Jahren 2020 und 2021 der Corona-Pandemie zum Opfer fielen, konnten im Juni 2022 nun endlich wieder über 150 Schüler*innen, fast 50 Teamer*innen und die begleitenden Lehrer*innen nach Polen reisen. Wie in den Jahren vor 2020 reisten auch in diesem Jahr zwei etwa gleich große Gruppen in jeweils unterschiedliche Richtungen. Gruppe A fuhr zunächst nach Auschwitz und im Anschluss nach Krakau, während Gruppe B die Fahrt entgegengesetzt durchführte. Ich selbst fuhr als einer der betreuenden Lehrer mit der Gruppe A, und da ich zum ersten Mal die Gelegenheit hatte, an der Fahrt teilzunehmen, möchte ich gerne von meinen Eindrücken berichten.

Am Freitag, den 17. Juni war es endlich soweit: Voller Erwartungen bestiegen die etwa 200 Adolfiner*innen zu früher Morgenstunde die Busse, um sich auf die über 1.000 km lange Fahrt zu begeben. Gruppe A kam abends in Oświęcim (Auschwitz) an, und nachdem einige Teamer*innen mit Ruhe und viel Geduld die Schüler*innen auf die unterschiedlichen Zimmer der zwei gebuchten Hotels verteilt hatten, fielen alle Beteiligten müde ins Bett.

Der Samstag startete, wie danach jeder weitere Morgen, mit einem kurzen gemeinsamen Tagesbeginn und kurzen Bewegungsspielen zur Teamförderung, und natürlich: mit dem Frühstück. Der Vormittag diente dann der Erkundung der Innenstadt Oświęcims. Die Teamer*innen präsentierten an zahlreichen Stationen interessante Hintergründe zur Stadtgeschichte und wichtigen Bauwerken. Nachmittags begaben wir uns dann erstmals in das Stammlager des Konzentrationslagers von Auschwitz. Mich selbst erfasste ein bedrückendes Gefühl, als ich erstmals durch das Tor mit den Worten „Arbeit macht frei“ ging. Trotz der intensiven Vorbereitung auf die Fahrt überwältigten mich Emotionen bestehend aus Trauer und Wut. Auch die Schüler*innen, die in kleinen Gruppen durch Guides durch das Stammlager geführt wurden, hatten die zahlreichen Eindrücke zu verarbeiten. Diese Ein-drücke wurden abends im Hotel in reflektierenden Gesprächen innerhalb der Kleingruppen gemein-sam mit den Teamer*innen vertieft und aufgefangen.

Am Sonntag begaben wir uns dann zur Gedenkstätte Birkenau, um uns dort wieder mit den Guides des Vortages auf eine Führung zu begeben. Die Dimension des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau war für mich vorher nicht einmal ansatzweise vorstellbar gewesen. Stacheldrahtzäune und die Grundrisse, auf denen einst die Holzbaracken gestanden hatten, reichten förmlich bis zum Horizont. Auf dem Gang durch die Gedenkstätte berichteten die Guides sehr anschaulich über zahlreiche Einzelschicksale von Menschen, die in Birkenau zu Tode gequält oder vergast wurden. Die Vorstellung dessen, was Menschen an jenem Ort anderen Menschen angetan haben, machte mich fassungslos und erneut sehr wütend. Im Anschluss besuchten wir nachmittags in Eigenregie die Nationenausstellung, die sich im Stammlager befindet. Hier wird in ehemaligen Baracken des Stammlagers durch die Nationen, die zu Opfern des Nationalsozialismus wurden, teils historisch, teils künstlerisch, der Horror des Holocausts aufgegriffen, dargestellt und reflektiert. Verbunden mit den Eindrücken des Vormittags rief dies bei vielen Teilnehmer*innen Tränen und große Trauer hervor. Beeindruckend war für mich, wie diese starken Emotionen innerhalb der Kleingruppen und gemeinsam mit den Teamer*innen aufgegriffen und verarbeitet wurden.

Montags wurden dann die Hotelzimmer geräumt – es ging per Bus Richtung Krakau. Nach einem ersten Gang innerhalb der Kleingruppen durch die Krakauer Innenstadt besuchten wir nachmittags das jüdische Zentrum in Kazimierz, um mit der Zeitzeugin Monika Goldwasser ein beeindruckendes und bewegendes Gespräch führen zu können. Diese Begegnung ermöglichte nochmals einen sehr persönlichen Einblick in die Situation verfolgter Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus.

Der Dienstag stand dann ganz im Zeichen der Erkundung der Stadt Krakau – vormittags in den Kleingruppen mit Stadtführerinnen, nachmittags durch das akribisch vorbereitete Programm „Krakau Plus“ durch die Teamer*innen, welches uns die Stadt aus unterschiedlichsten Perspektiven näherbrachte. Den gelungenen kulinarischen Abschluss des Dienstags bot schließlich der gemeinsame Besuch im jüdischen Restaurant „Hamsa“ in Kazimierz.

Am Mittwoch stand dann noch einmal das jüdische Leben in Krakau im Fokus: Vormittags wurden die Fabrik Oskar Schindlers, die Reste des ehemaligen Ghettos und das jüdische Viertel Kazimierz besichtigt, wodurch sich unser Eindruck Krakaus abrundete. Besonders beeindruckend war für mich das lebhafte Treiben und die Präsenz der jüdischen Kultur in Kazimierz – ein hoffnungsvoller und positiver letzter Eindruck von der Stadt, die wir dann abends wieder verlassen mussten, da die Rückreise nach Moers anstand.

Die Erlebnisse in Auschwitz und Krakau waren ungemein intensiv, sehr emotional, und außerordentlich bereichernd. Hoffnungsvoll stimmten mich die Neugier und Offenheit unserer Schüler*innen, und ich bin mir sicher, dass aus ihrem Kreis sich in den kommenden Jahren wieder zahlreiche Teamer*innen finden werden, die auch zukünftige Schüler*innen auf der Auschwitzfahrt betreuen werden.

Text: Karsten Verhoeven

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