Sechs neue Stolpersteine: An der Verlegung der schon mehr als 110 Stolpersteinen in Moers wirkten Schülerinnen und Schüler des Adolfinums immer wieder mit.

Adolfiner gestalten die Stolpersteinverlegung mit

Am 30. September fand die diesjährige Stolpersteinverlegung in Moers statt. Zwischen 10:00 und 12:30 Uhr wurden auf dem gesamten Stadtgebiet an verschiedenen Stationen neue Stolpersteine verlegt. Unsere Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 eröffneten die Aktion zusammen mit Vertretern der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sowie mit Bürgermeister Fleischhauer.

Die musikalische Untermalung der Veranstaltung: ein würdevoller Rahmen

In den Redebeiträgen der Schülerinnen und Schüler wurden zunächst die Biographien der deportierten und ermordeten Bürgerinnen und Bürger vorgestellt. Die Lebensgeschichte der Familie Callmann wurde zuvor im Rahmen des Geschichtsunterrichts mithilfe von Originalquellen aus dem Moerser Stadtarchiv rekonstruiert. Da sich unter den ermordeten Personen auch zwei Jugendliche befanden, stellten die Zehntklässler darüber hinaus die Perspektivlosigkeit jüdischer Jugendlicher im Nationalsozialismus dar. Am Ende des Vortrages beleuchteten die Schülerinnen und Schüler schließlich die menschenverachtende Situation im Ghetto in Riga, wohin die Mitglieder der Familie Callmann zunächst deportiert worden waren.

Wie zuvor erwähnt, durften wir am 30. September Teil der Stolpersteinverlegung auf der Baerler Straße sein. Unser Geschichtskurs hat sich in den Wochen zuvor intensiv mit der Familie Callmann beschäftigt. Wir untersuchten die Biographien der Eltern Siegfried und Jenny Callmann, der beiden Kinder Leni und Ernst Ludwig sowie der beiden Schwägerinnen Adele und Rosa Sternberg. Dazu haben wir in Kleingruppen verschiedene Quellen, Materialien und Bilder gesichtet und unsere Beiträge erarbeitet. Der persönliche Bezug zu den Mitgliedern der Familie Callmann hat den vielen, die den Nazis zum Opfer gefallen waren, ein Gesicht gegeben und uns selbst die ganze Situation nahegebracht. Man sieht die damalige Zeit und das Leiden der Menschen aus einer ganz anderen Perspektive, wenn auf einmal nicht mehr von Zahlen und Statistiken die Rede ist, sondern von einer unschuldigen Familie, noch dazu einer aus unserer Stadt. Gerade deswegen haben viele der Schülerinnen und Schüler, die an der Stolpersteinverlegung teilhaben durften, diese Erfahrung als so wichtig und eindrucksvoll empfunden.

Nachdem wir unsere Gruppenarbeit beendet hatten, haben wir uns dann unsere Vorträge gegenseitig im Kursverband vorgestellt und den Feinschliff vorgenommen, um den Zuschauern der Stolpersteinverlegung das bestmögliche Ergebnis präsentieren zu können.

Als der Tag dann gekommen war, waren wir alle sehr aufgeregt vor den anderen Menschen unsere Beiträge zu präsentieren. Die Veranstaltung war zusammengesetzt aus verschiedenen Reden, wie zum Beispiel die des Bürgermeisters, sowie einer musikalischen Einlage, die das Ganze wunderschön abgerundet hat. Während dieser Reden wurden die Stolpersteine in den Boden eingelassen. Danach waren wir an der Reihe und haben unsere Referate gehalten, bei welchen teilweise Bilder, Dokumente und Karten zur weiteren Veranschaulichung herumgereicht wurden. Zum Abschluss der Veranstaltung wurden uns Rosen gereicht, die dann von allen um die Stolpersteine drapiert worden sind.
Als wir uns in der letzten Geschichtsstunde über das Erlebnis ausgetauscht haben, konnten wir uns schnell darauf einigen, dass es für alle eine sehr bedeutsame Erfahrung war und wir viel davon mitnehmen konnten. Es war uns eine Ehre, in diesem Moment dabei gewesen zu sein.

Text: Daniel Schirra, Paula Schmitz, Greta Blumenstengel (EF), Fotos: Daniel Schirra

Erinnerung und Mahnung zugleich: Die neuen Stolpersteine an der Baerler Straße.

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