Erfolgreiche Deutsch-Lerner: die DaZ-Absolventen des Jahres 2019.

Fünf Jahre Integration durch Sprache

"Deutsch als Zielsprache" am Adolfinum

Die syrischen Schwestern Rand und Joud Kabbani und die Iranerin Negar Barzegar lernen in vier Jahren Deutsch am Gymnasium Adolfinum. Rand gelingt es 2019 ein gutes Abitur zu machen. Joud und Negar folgen in diesem und im nächsten Jahr – ein Ergebnis der Arbeit im Bereich „Deutsch als Zielsprache“ (DaZ), den es am Adolfinum nun seit fünf Jahren gibt.

„2015 sah sich das Gymnasium Adolfinum damit konfrontiert, jugendliche Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen Deutsch beizubringen. Es bestand dringender Handlungsbedarf“, so Schulleiter Hans van Stephoudt. „Unser Glück war, dass sich in unserem Kollegium Fachkräfte befinden, die darauf spezialisiert sind, Deutsch als Zielsprache (DaZ) zu unterrichten.“ So wurde quasi über Nacht ein DaZ-Kurs am Gymnasium Adolfinum eingerichtet, um Rand und Joud Kabbani und Negar Barzegar in Deutsch zu unterrichten und zusätzlich zu fördern. Denn die Schülerinnen wurden direkt in die bestehenden Regelklassen integriert. „Das war am Anfang gar nicht so leicht“, berichtet Joud Kabbani. „Aber durch die Anbindung an unseren DaZ-Kurs gelang es schnell, im Unterricht und in der Schule Fuß zu fassen. Da wir das Glück hatten, in Syrien noch relativ lange zur Schule gehen zu können, waren wir fachlich gut vorbereitet und konnten uns ganz auf die neue Sprache konzentrieren.“

Aus dieser Keimzelle entwickelte sich DaZ zu einem eigenständigen Schwerpunkt am Gymnasium Adolfinum. Durch die zusätzliche Einbindung und Aufnahme aller Gast- und Austauschschüler/innen, die in den zurückliegenden fünf Jahren die Schule besuchten, kam die weite Welt in das Moerser Klassenzimmer: Von Neuseeland bis Argentinien, von Dänemark bis Chile reichten bzw. reichen die Kontakte. Thibault Guérand aus Frankreich schrieb in das DaZ-Gästebuch: „Bemerkenswert war für mich die Art und Weise, wie der Unterricht gelehrt wurde. Es war unglaublich angenehm, menschlich und pädagogisch.“

Rand Kabbani, die älteste der syrischen Schwestern, hat 2019 erfolgreich ihr Abitur bestanden und studiert jetzt Medizintechnik in Gelsenkirchen. Ihre jüngere Schwester Joud und auch Negar Barzegar sind ihr dicht auf den Fersen. Doch selbst ohne diese Flüchtlingsschicksale wächst der DaZ-Bereich weiter. Viele talentierte Schülerinnen und Schüler benötigen zusätzliche Förderung beim Spracherwerb. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Sei es, weil ihre Eltern in Deutschland auf dem Arbeitsmarkt dringend benötigt werden, wie etwa bei Nora aus Lettland, die mittlerweile die 8. Klasse besucht und erst zur 5. Klasse ohne Deutschkenntnisse zu uns gekommen ist, oder auf Grund von Familienzusammenführungen aus unterschiedlichen Herkunftsländern oder bei Familien, in denen Deutsch nicht als Muttersprache gesprochen wird.

Hier setzt der DaZ-Unterricht individuell an und vermittelt von elementarer Sprachverwendung bis hin zu anspruchsvollen Lerninhalten alles, was benötigt wird. Zurzeit besuchen 25 Schülerinnen und Schüler die unterschiedlichen Niveaukurse. Mit motivierenden Unterrichtsinhalten gelingt es, sie für Deutsch zu begeistern. „Im Moment schreiben wir unsere Lieblingsrezepte für ein Kochbuch auf“, berichtet Elisa Cambiaso aus der Klasse 6. „Das macht Spaß.“ Die große Landkarte im Klassenraum zeigt mit Kärtchen, woher jede Schülerin/jeder Schüler stammt und welche Sprache dort gesprochen wird. Gerade die Wertschätzung der Herkunftskulturen verortet die Deutschlernenden und macht ihnen Mut, sich mit der neuen Kultur und Sprache auseinanderzusetzen. So kann Integration gelingen.

Text: Dr. Babett Götz | Foto: Andrea Klein.

— [Thomas Kozianka]

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