Gute Tradition in Moers: Der Jugendkongress zur Demokratieförderung.

Der Moerser Jugendkongress in Zeiten von Corona

Schauspieler Alexej Boris bereitet die Schülerinnen und Schüler auf ihre „besondere Mission auf dem Planeten „Terra“ vor.

Am 26. November fand der alljährliche „Moerser Jugendkongress zur Stärkung von Demokratie und Überwindung von Extremismus“ statt. Trotz widriger Umstände im Rahmen der Corona-Pandemie konnte die Veranstaltung in diesem Jahr einen Teilnehmerrekord verbuchen: Insgesamt 220 Schülerinnen und Schüler aus ganz Moers nahmen an der Veranstaltung teil. Da eine Plenumsveranstaltung in der aktuellen Situation nicht umsetzbar war, fand der diesjährige Kongress dezentral - unter Beachtung aller Hygienevorgaben - an den einzelnen Schulen statt. Für das Adolfinum haben die beiden Geschichts-LKs (Q2) in diesem Jahr an der Veranstaltung teilgenommen.

Dem Motto des diesjährigen Jungendkongresses „Expect Respect“ kommt aktuell eine besonders große Bedeutung zu: Gerade in Zeiten einer globalen Pandemie sind Rücksichtnahme und gegenseitiger Respekt besonders angebracht. In diesem Zusammenhang führten die Schülerinnen und Schüler im Rahmen der Veranstaltung verschiedene Workshops durch, während derer sie sich mit den Themenkomplexen Ausgrenzung, Hass und Rassismus beschäftigten und gemeinsam mit den Experten Handlungsstrategien entwickelten.

Abgerundet wurde der Jugendkongress mit einem Dokumentarfilm zum Dresdner Verein „Mission Lifeline“, der sich der Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer verschrieben hat. Im Anschluss an den Film hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit zu einem Nachgespräch mit Mitgliedern der Filmcrew.

Text: Daniel Schirra und Marcel Buchmüller

Ihre Erfahrungen zu diesem besonderen Tag teilen die beiden Schüler Ben Schwarz und Clemens Spoo (Q2, GE LK1) mit uns:

Kongressarbeit in Zeiten von Corona: Die Schülerinnen und Schüler des Q2 Geschichts-LKs beim interaktiven Rollenspiel zu „Hass im Netz“.

Vormittags durften wir an einem interaktiven Theaterstück gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit teilnehmen. Es trug den Titel „Die letzte Mission“. Gleich zu Beginn wurde es spannend, als wir als eine Gruppe Auserwählter auf eine Mission vorbereitet werden sollten: Es ging um eine Reise auf den imaginären Planeten Terra. Man teilte uns mit, dass die Bewohner Terras sich aufgrund ihrer verschiedenen Religionen bekriegen und töten und es unsere Aufgabe sei, dieses Problem zu lösen und für Frieden zu sorgen.

Als „Eignungstest“ für die Mission galt es, mit Papierkugeln einen Eimer zu treffen oder mit einer Wasserpistole sein Zielvermögen zu beweisen. Trotz dieser kleinen Spiele war die Auseinandersetzung mit der Thematik stets ernsthaft, insbesondere die Nachbesprechung verschaffte Klarheit über die Intention des Stücks.

Da der Blickwinkel auf die Problematik durch die Projektion menschlicher Verhaltensweisen auf die Terraner ein völlig anderer war, eröffnete das Theaterstück jedem Schüler neue persönliche Denkansätze.

Michelle Scherka, Trainerin bei „Love Storm“, bei der Präsentation theoretischer Modelle zum Thema „Hass im Netz“.

Das zweite Modul dieses Tages trug den Titel „Hass im Netz“ und nahm rechte Parolen, Hasserede, Rassismus und Verschwörungsmythen unter die Lupe. Wir starteten den Kurs mit einer Vorstellungsrunde und einer PowerPoint-Präsentation, mithilfe derer die allgemeinen Begriffe zum Thema geklärt wurden. Darüber hinaus beschäftigten wir uns mit den grundlegenden Konsequenzen, die Hassreden im Netz mit sich ziehen und sammelten diese im Gespräch mit dem gesamten Kurs.

Im Anschluss daran bekamen wir verschiedene Beispiele für solche Hasskommentare, die allesamt von Facebook stammten. Aus dieser Auswahl wählten wir einen aus, um uns näher mit diesem zu beschäftigen. Neben den Gefühlen, die wir beim Lesen dieses Kommentars empfanden, sollten wir auch mögliche Lösungsstrategien für den Diskurs entwickeln. Diese stellten wir dann erneut dem ganzen Kurs vor und kamen zu dem Entschluss, dass es vier wesentliche Strategien zum Vorgehen gegen Hasskommentare gibt: Die erste besagt ein öffentliches Konfrontieren der Hassredner mit dem Problem, die zweite, dass die Unterstützung der Betroffenen ebenfalls wichtig ist. Die dritte war eine Mischung aus dem Gedanken, sachlich zu bleiben und dabei unnötige Kommentare zu ignorieren, die vierte bezog sich auf einen Zusammenschluss mit anderen Gleichgesinnten.

Eine Wasserpistole in der Aula?! Der Geheimagent bei der Vorstellung des „Eignungstests“.

Diese Lösungsstrategien stellten die erste Erkenntnis des Moduls dar, welche im folgenden Rollenspiel genutzt werden sollte, um in einem virtuellen Chat die Hassredner zu überzeugen, ihre Position zu ändern. Jeder Teilnehmer hatte nun die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Rollen, wie „Betroffener“, „Angreifer“ oder „Außenstehender“ zu wählen und sich in dessen Lage zu versetzen.

Bei dem Rollenspiel selbst ging es turbulent zu. Es war erschreckend zu beobachten, wie schnell man selbst ein Opfer von Hassrede im Netz werden kann und wie schwierig es sein kann, sich alleine aus dieser Situation wieder zu befreien.

In der Nachbesprechung wurden die Erkenntnisse aus dem Rollenspiel zusammengetragen, Perspektivwechsel durchgeführt und Strategien der Gegenrede erarbeitet.

 

Text: Ben Schwarz, Clemens Spoo , beide Q2

Fotos: Daniel Schirra

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