Auf dem Weg zur ehemaligen Kreuzung „Steinschen“: Adolfiner beteiligen sich am Sternmarsch durch die Moerser Innenstadt.

Adolfiner gedenken der Opfer der Deportation vor 80 Jahren

Vor der offiziellen Gedenkveranstaltung: Adolfiner legen eine Gedenkminute vor dem ehemaligen sogenannten „Judenhaus“ in der Kirchstraße 11 ein.

Am vergangenen Samstag (11. Dezember) jährte sich die erste großangelegte Deportation aus Moers zum 80. Mal. Insgesamt 85 Moerser Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens mussten am 11. Dezember 1941 von Düsseldorf aus den Zug in das Ghetto von Riga besteigen, wo sie unerträgliche Zustände, Gewalt und Tod erwarteten.

Die Gedenkveranstaltung an der ehemaligen Kreuzung „Steinschen“. Von hier aus startete die Deportation in das Ghetto von Riga über Krefeld und Düsseldorf.

Die Gedenkveranstaltung zu Ehren der Opfer des nationalsozialistischen Terrors wurde von Teamerinnen und Teamern unseres Auschwitzprojekts aktiv mitgestaltet. Ausgangspunkt stellte das ehemalige sogenannte „Judenhaus“ in der Kirchstraße 11 dar, wo eine erste Gedenkminute an die Opfer stattfand. In einem Sternmarsch durch die Moerser Innenstadt hielten die Adolfiner und andere Fußgruppen die Namen der Deportierten vor sich. Ziel war die ehemalige Kreuzung „Steinschen“ am Ende der Neustraße, von wo aus die Deportation nach Riga vor 80 Jahren ihren Anfang nahm. Nach einleitenden Worten von Mitgliedern der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit gedachte Bürgermeister Christoph Fleischhauer der Opfer der Deportation und rief dazu auf, „gegen jede Art von Unrecht“ aufzustehen.

Zehra Efe und Hendrik Eller (Q1) berichten von ihren Erlebnissen im Rahmen der Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz.

Nach Beiträgen von Schülerinnen und Schülern der Hermann-Runge-Gesamtschule und des Gymnasium in den Filder Benden sprachen Zehra Efe und Hendrik Eller (Q1) für das Gymnasium Adolfinum. Als Teamer des Auschwitzprojekts berichteten sie von ihren noch frischen Eindrücken, die sie im Rahmen der Fahrt zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau gewonnen haben. Nach einer pandemiebedingten Pause konnte diese vor einem Monat erneut stattfinden.

Sarah Hamid (Q1) bei der Verlesung der Namen der deportierten Moerserinnen und Moerser.

Zentraler Bestandteil der Gedenkveranstaltung war das Vorlesen der Namen der deportierten Moerserinnen und Moerser, woran sich auch die Teamerin Sarah Hamid aktiv beteiligte.

Text und Fotos: Daniel Schirra

Sie alle haben einen Namen - Schülerinnenbericht von Isabell Schmidt, Q1

Zum Gedenken an die 85 Moerser Jüdinnen und Juden, die vor 80 Jahren in das Ghetto in Riga deportiert wurden, nahm ich gemeinsam mit meinen Mitschülerinnen und Mitschülern an der Gedenkveranstaltung am 11. Dezember 2021 teil. Mit Schildern, auf denen die Namen der Deportierten zu sehen waren, zeigten wir, dass die Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft nicht in Vergessenheit geraten sind. Der Marsch startete am ehemaligen sogenannten „Judenhaus“ in der Kirchstraße 11 und endete an der früheren Kreuzung „Steinschen“, wo die Veranstaltung durch musikalische und rednerische Beiträge abgerundet wurde.

Die gesamte Gedenkveranstaltung entführte uns Schülerinnen und Schülern auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Trauer um die Opfer, Verachtung der Täter, Zweifel an der Menschlichkeit, aber auch Dank für unsere heutigen Privilegien. Das regnerische Wetter trug zur bedrückenden Stimmung der Thematik bei. Vor allem die Rede meiner Mitschüler Hendrik Eller und Zehra Efe brachte die noch frischen und intensiven Emotionen unseres Besuchs im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau im vergangenen Monat erneut hervor. Auch der Redebeitrag der HRG mit dem Titel „Menschen wurden zu Zahlen“ unterstrich, wie den Betroffenen ihre Identität genommen wurde.

Besonders bewegt hat mich, dass wir genau an dem Ort standen, an dem vor 80 Jahren Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt ihre Freiheit und Würde genommen wurde. Das Verlesen der 85 Namen verdeutlichte, dass die Opfer keine Zahlen waren, sondern Menschen, mit einem Namen, einer Familie und einer Identität.

Der Zeitzeuge Hans-Helmut Eickschen, der als Kind die Diffamierung der jüdischen Bürgerinnen und Bürger mitansehen musste, betonte in seiner Rede, dass nicht nur Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt deportiert wurden, sondern dass auch Bürger unserer Stadt zu- und wegsahen oder schwiegen, als ihre Nachbarn verschwanden.

Solche Geschehnisse sollten uns heute als Warnung dienen und aufzeigen, wie wir nicht handeln dürfen. Wir als junge Generation dürfen nicht wegschauen und schweigen. Obwohl in den vergangenen Jahrzehnten viele Menschen aus der Geschichte lernen konnten, ist heute klar zu erkennen, dass rassistisches Gedankengut noch lange nicht überwunden ist und Unvorstellbares erneut vorstellbar werden könnte. Daher ist es unsere Pflicht, die Thematik immer wieder in die Öffentlichkeit zu bringen und Mut, Willen und Durchsetzungsvermögen gegenüber jeder Art von Hass und Rassismus zu zeigen.

Isabell Schmidt (Q1)

Der Redebeitrag von Zehra Efe und Hendrik Eller

Guten Morgen Ihnen und Euch allen!

Das ist Zehra Efe und ich bin Hendrik Eller. Wir gehen beide in die 11. Jahrgangsstufe des Gymnasium Adolfinum. Einige der deportierten Moerserinnen und Moerser sind in verschiedenen Konzentrationslagern interniert worden, nachdem sie in das Ghetto Riga gebracht worden waren. Sie erlebten unermessliches Leid. Wir möchten Ihnen heute von unserer Gedenkstättenfahrt im Rahmen des Auschwitzprojekts unserer Schule berichten und unsere noch recht frischen, gesammelten Eindrücke des letzten Monats mit Ihnen teilen.

Schon seit 2009 gibt es am Gymnasium Adolfinum das sogenannte Auschwitzprojekt. Dass schon Generationen von Schüler*innen, Teamer*innen und Lehrer*innen an der Fahrt teilgenommen haben und ihren Abdruck im Programm hinterlassen haben, war uns wenigen, die im November mitgefahren sind, sehr schnell klar.

Jedes Jahr fährt fast die ganze zehnte Jahrgangsstufe nach Polen, um dort die Gedenkstätten des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, den Ort Oświęcim und im Anschluss, die bedeutende Stadt Kraków zu besuchen. Da durch die Corona-Pandemie eine Unterbrechung in diese eigentliche Regelmäßigkeit kam, sind viele der hier Anwesenden mit der Absicht als Teamer*innen die Fahrt im nächsten Jahr zu begleiten, mitgefahren.

Das Konzept besteht darin, während der Fahrt am Tage die Gedenkstätten zu besuchen und abends mit den Teamer*innen gemeinsam über die Erlebnisse zu sprechen. Auch in der großen Gruppe gab es diverse, gemeinsame Aktionen, darunter ein sehr bewegendes Gespräch an einem Nachmittag mit einer gewissermaßen Zeit- und Zweitzeugin. Sie ist die Tochter einer im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau inhaftierten Frau, wurde dort geboren und hat durch ihre Mutter retrospektiv viel über die Zeit im Konzentrationslager erfahren. Mittels eines Dolmetschers konnten wir sie, da sie Polin ist, verstehen. Ihre Botschaft, die sie an uns richtete, war trotzdem unmissverständlich: Ihr Jugendlichen seid zwar nicht verantwortlich für die Geschehnisse und Verbrechen damals, aber es ist an Euch, dass so etwas nie wieder passiert.

Im sogenannten Stammlager Auschwitz I erfuhren wir dank einer polnischen Reiseleiterin viel über die Täter. Dort besichtigten wir die Häuser der Lageradministration, die sogenannte „Schwarze Wand“, an der etwa. 20.000 Menschen erschossen wurden sowie die sogenannten „Nationenausstellungen“ mehrerer vom Holocaust betroffener Länder. Die Ausstellungen dokumentieren die Geschichten vieler Einzelschicksale. Besonders die israelische Ausstellung beeindruckte uns durch ein Buch, in welchem die Namen von vier Millionen zu identifizierenden Opfern der Schoah mit ihren bekannten Lebensdaten niedergeschrieben sind. Nicht nur die schiere Größe, sondern auch der symbolische Wert dieses Buches rührte uns sehr.

Am nächsten Tag besuchten wir das Außenlager Auschwitz-Birkenau, wo uns die unvorstellbaren Ausmaße des Areals deutlich wurden. Es war ein diesiger und kalter Novembermorgen, als wir das Lager besichtigten.

Wie musste es den Häftlingen ohne entsprechende Kleidung, hungernd und unter den Erniedrigungen durch die Wachmannschaften ergangen sein? Welche Versprechungen wurden ihnen bei den Deportationen gemacht? Was mussten sie gedacht haben, als sie das Lager nach langer Reise eingepfercht in Waggons zum ersten Mal sahen und an der berüchtigten Rampe ankamen? Hatten sie noch schnell die wichtigsten Habseligkeiten zusammengepackt?

Unsere gesamte Gruppe war sehr bewegt. Die Menschen kamen aus den verschiedensten Teilen Europas, auch aus Moers und dem Ruhrgebiet. Menschen mit verschiedenen Herkünften, Religionen, Sprachen, die die Vielfalt lebten und die aus der Mitte der Gesellschaft kamen, oft von Nachbarn denunziert und dann auf brutale Weise in den Lagern ermordet. Genauso ist es auch hier in Moers geschehen, als mitten am helllichten Tage in aller Öffentlichkeit eben jene hier lebenden Moerser Mitbürger in die Straßenbahn nach Krefeld steigen mussten.

Indem wir die Erinnerung an diese schrecklichen Ereignisse wachhalten, auch 80 Jahre später, leben die Menschen bis heute in unserer aller Erinnerung weiter. Das Lesen der Namen zeigt, dass die vielen ermordeten Menschen sehr wohl eine eigene Identität, einen Namen hatten, auch wenn die Maßnahmen der Nationalsozialisten, besonders in den Konzentrationslagern durch das Abrasieren der Haare oder das Tätowieren einer Häftlingsnummer, den Menschen ihre Identität rauben sollten. Derer möchten wir heute gedenken, um Anteil am unvorstellbaren Leid der Menschen zu nehmen und die Erinnerung an die Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus in unserer Heimatstadt wachzuhalten.

So möchten wir uns stellvertretend für das Gymnasium Adolfinum bedanken, dass wir diese Redezeit bekommen haben und Ihnen allen vom sehr bewegenden Auschwitzprojekt an unserer Schule berichten konnten.

Redebeitrag: Zehra Efe und Hendrik Eller (Q1)

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