Die bedeutendste Stätte in Griechenland: die Akropolis.

Adolfiner auf den Spuren der griechischen Kultur

ΕΛΛΑΣ 2014 – Die Griechenlandfahrt 2014/15

Frühstart: Museumsbesuch in Delphi.

Am 30. September 2014 machten sich die beiden Griechischkurse der Qualifikationsphase mit den Lehrern Hr. Heße und Hr. Dr. Schäfer sowie Hr. Dr. Schönemann vom Flughafen Düsseldorf zur zehntägigen Studienfahrt nach Griechenland auf. Nach einem kurzen dreistündigen Flug und einer ähnlich langen Fahrt nach Delphi lernten wir auch bereits die griechische Küche kennen und fielen danach in freudiger Erwartung auf die vor uns liegende Zeit in unsere Betten. An unserem ersten „richtigen“ Tag in Griechenland stand dann auch bereits die Besichtigung von Delphi, einst Sitz des sagenumwobenen Orakels, das Kloster Osios Lukas und die Gedenkstätte von Distomo auf dem Programm.

Delphi wird wohl jedem, der sich ein bisschen mit antiker Geschichte auskennt, ein Begriff sein. Hier hatte das delphische Orakel seinen Sitz, wo Apollon durch die Pythia die Zukunft prophezeite. Unter anderem ergingen hier so berühmte Orakelsprüche wie der an Alexander den Großen "Du bist unbesiegbar, mein Sohn!". Daneben war für die Griechen Delphi der Mittelpunkt der Welt, denn hier befand sich der Omphalos. Ihn hatte Zeus dort aufstellen lassen, wo sich zwei Raben, jeweils vom anderen Ende der Welt losgeschickt, trafen, um so den Nabel der Welt zu markieren. In Delphi fanden alle acht bzw. seit 582 v. Chr. alle vier Jahre die pythischen Spiele statt, die zu den vier großen panhellenischen (ganzgriechischen) Wettbewerben zählten.

Das Kloster Hosios Lukas zählt zu den wichtigsten und schönsten Klöstern ganz Griechenlands und ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Es wurde vom heiligen Lukas von Stiris, der 946 n. Chr. starb, gegründet und ist für seine Architektur und die Mosaiken, die aus dem 11. und 12. Jahrhundert stammen, berühmt. Dort schmeckten wir auch den ausgezeichneten Klosterhonig, der in den sehr leckeren Honig-Sesam-Riegeln oder Lokum, kleinen, klebrigen Honig-Nuss Häppchen, verarbeitet wird. Distomo war Schauplatz einer grausamen Vergeltungsaktion der Nazis. Am 10. Juni 1944 ermordete das 7. SS-Panzer-Grenadierregiment die gesamte Einwohnerschaft von Distomo, 218 Menschen, darunter Kinder und werdende Mütter, aus Rache für Partisanenüberfälle. Noch heute ist die Bevölkerung von Distomo sehr abweisend gegenüber Deutschen. Es kann passieren, dass man als deutscher Tourist in einem Café in Distomo nicht bedient wird.

Danach überquerten wir den Kanal von Korinth, der das griechische Festland von der Peloponnes trennt, an dem wir zur Stärkung Rast an den dortigen Souvlaki-Buden machten. Souvlaki sind kleine Fleischspieße und eine typische Zwischenmahlzeit in Griechenland. Am Abend kamen wir dann in Tolo, einem beliebten Badeort, an, wo wir die nächsten vier Nächte verbrachten.

Delphi: für die Griechen der Mittelpunkt der Welt.

Vom kleinen Tolo aus sind die zahlreichen archäologische Stätten in der Umgebung gut zu erreichen. Der zweite Tag unserer Studienfahrt zählte zu den anstrengendsten, denn wir machten eine Rundreise durch Argolis. Argolis ist eine Region auf der Peleponnes und war in antiker Zeit Zentrum der mykenischen Palastkultur.
 
Die erste Station machten wir im antiken Kurort Epidauros, der berühmtesten Kultstätte des Asklepios, des Gottes der Heilkunst. Bekannter ist es wohl aber für sein beeindruckendes Theater, das 14.300 Zuschauer fasst und eine außergewöhnliche Akustik bietet. Das Zerreissen einer Zeitung auf der Orchestra, der Spielfläche für Schauspieler und Chor, kann man noch in den oberen Rängen vernehmen, ebenso wie eine fallengelassene Münze. Auch heute noch werden in Epidauros klassische Dramen vorgeführt und ziehen Zuschauer aus ganz Griechenland an.

Mykene war in vorklassischer Zeit von 1.600 bis ca. 1.050 v. Chr. eine der bedeutendsten Städte Griechenlands und wurde 1999 Bestanteil des UNESCO-Weltkulturerbes. Während der ersten Ausgrabungen in Mykene 1841 wurde das Löwentor, das Portal in die Stadt und den Palast von Mykene, entdeckt.

1874 setzte dann Heinrich Schliemann die Ausgrabungen in und um Mykene fort. Ein Charakteristikum der Palastkultur war die zentrale Bedeutung des Herrschaftssitzes, des Palastes. Von dort regierte ein absoluter Monarch, der Wánax, und verwaltete das Reich zentral und lenkte auch die Wirtschaft. Schliemann fand auch große Kuppelbauten, die er als Gräber berühmter Personen der mykenischen Geschichte deklarierte, wie das Grab des Agamemnon, des berühmten mykenischen Königs und einer der Helden des trojanischen Krieges, oder die Gräber dessen Frau Klytaimnestra und ihres Liebhabers Aigistos. Im Nationalmuseum von Athen ist die von Schliemann in Mykene gefundene »Goldmaske des Agamemnon« ausgestellt.
Auch das Heraion, eine bedeutende antike Kultstätte für Hera, der Frau des Zeus, sowie Tiryns, das vor allem aus der Heraklessage bekannt ist, liegen in Argolis. Dort bekam Herakles vom mykenischen König Eurystheus seine zwölf Aufgaben und musste dort auch die Ergebnisse seiner Heldentaten präsentieren.

Um den anstrengenden Aufstieg zur Palamidi-Burg in Nafplio, der über ca. 999 Stufen führt, den geschafften Teilnehmern zu ersparen, fuhren wir zum Schluss noch mit dem Bus zur Festung, die zwischen 1686 und 1715 von den Venezianern erbaut wurde. Von der Burg aus hat man einen wunderbaren Überblick über das malerische Nafplio, das wir einen Tag später dann erkundeten.

Malerisch: Blick von der Palamidi-Burg in Nafplio.

Auf der gesamten Studienfahrt kamen wir natürlich auch mit der heutigen griechischen Kultur und Mentalität in Berührung, die sich teilweise erheblich von der deutschen unterscheidet. Geht man in einen griechischen Supermarkt, wird man vom Händler fast schon dazu gedrängt, die Weintrauben zu probieren; in Deutschland wäre das undenkbar. Oder aber auch die Spontanität der Griechen, wie etwa Restaurantbesitzer, die eine größere Gruppe gleich mit Preisnachlass locken, machten die Fahrt zu einer einzigartigen Berührung mit der liebenswerten Art der Griechen.

Bevor wir jedoch am Freitag selber einen Rundgang durch Nafplio machen konnten, führte uns Herr Heße aber erstmal stante pede um Akronauplia, den Burgberg oberhalb der Altstadt, herum, was gar keine so schlechte Idee war, auch wenn der wunderbare Eindruck, den die Natur auf uns hinterließ, durch Hakenkreuz-Schmierereien getrübt wurde.

Das Archäologische Nationalmuseum von Nafplio hält zahlreiche Exponate bereit, die das handwerkliche Geschick der Hellenen verdeutlichen.
Die (Alt-)Stadt Nafplios ist italienisch geprägt; dies hängt auch mit der venezianischen Herrschaft in Nafplio zusammen. Schon 1377 begann die venezianische Besatzung, die bis 1540 andauerte und dann von 1686 bis 1715 kurz wiederauflebte. In Nafplio tagte 1832 nach den vorhergegangenen Freiheitskämpfen in Griechenland auch die erste griechische Nationalversammlung. Erster König von Griechenland wurde Otto I., der ebenfalls das Stadtbild Nafplios nachhaltig prägte. Einer seiner ersten Amtshandlungen war, das deutsche Reinheitsgebot für Bier einzuführen.

Pita zählt ebenfalls zu den landestypischen Snacks für zwischendurch und ist auf der Studienfahrt zum festen Bestandteil geworden. Sie ähnelt den hierzulande bekannten Dönern, ist sie doch ein gerolltes Fladenbrot, das mit Gyros, Tomaten, Salat, Pommes und Zaziki belegt und in jedem Imbiss erhältlich ist. In Nafplio soll es die beste Pita geben, so zumindest unsere Lehrer.

Der fünfte Tag der Studienfahrt führte ein Stück weiter von Nafplio hin zu Argos, das bereits in der Bronzezeit gegründet wurde und somit als eine der ältesten Städte Griechenlands gilt. Im Vergleich zu Napflio ist Argos eher ärmlich. Doch natürlich hat auch Argos viel Kultur zu bieten, etwa das Theater, das mit seinen 20.000 Sitzplätzen zu den größten Griechenlands zählt.

Ebenfalls in Argos findet man noch im Boden liegende Mosaike – eine Sensation, denn eigentlich sind alle antiken Mosaike in Museen verwahrt.
Nach der letzten Nacht in Tolo machten wir uns am sechsten Tag in aller früh auf, um das nahe gelegene Asine zu besichtigen, das bereits in der Ilias erwähnt wird und ein bedeutender Hafenplatz war. Auf dem Programm stand auch noch Nemea, Schauplatz des Kampfes Herakles mit dem nemëischen Löwen, den er eigenhändig erwürgte. In Nemea stand zu antiker Zeit ein Zeustempel und, ähnlich zu Delphi, fanden hier alle zwei Jahre die ebenfalls panhellenischen nemëischen Spiele zu Ehren Zeus statt.

Buntes Treiben: Die heutige Agora von Athen ist ein riesiger Markt.

Die Fahrt führte nach einem kurzen Abstecher nach Korinth, einem der Wirkungsorte des Apostel Paulus, weiter, runter von der Peloponnes, nach Athen, der Hauptstadt Griechenlands. Noch am selben Abend erkundeten wir erstmalig das eigentlich hässliche Athen und besichtigten dabei gleich auch noch den Zeus-Tempel und den Syntagma-Platz, den Platz der Verfassung mit dem griechischen Parlament, das seinen Sitz im ehemaligen Schloss König Ottos I. hat.

Der erste Tag in Athen, also der siebte der Studienfahrt, stand ganz im Zeichen des Archäologischen Nationalmuseums, der modernen wie auch der antiken Agora. Das Nationalmuseum wurde bereits 1880 fertiggestellt und beherbergt die weltweit größte Sammlung an griechischen Kunstwerken der Antike. Seine Sammlung erstreckt sich über einen Zeitraum vom 7. Jahrtausend v. Chr. bis 30 v. Chr. Zu ihr gehören mykenische Grabbeigaben und Goldobjekte ebenso wie die Bronzestatue des Zeus oder Poseidon (um 460 v. Chr.), Fresken und Mosaike, Vasen, Grabstelen und Waffen. Die heutige Agora von Athen ist ein riesiger Markt, an dem unzählige Händler allerlei feilbieten. Für schwache Nerven ist der Fisch- und Fleischmarkt jedoch nichts, denn hier hängt noch die halbe Ziege von der Decke.

Die Agora zu klassischer Zeit war nicht nur Haupthandelsplatz, sondern auch Treffpunkt für private, geschäftliche und politische Angelegenheiten. Für Kenner von Sokrates erwähnenswert ist der Weg von der athenischen Agora zum (angeblichen) Gefängnis, in dem Sokrates während und nach seinem Prozess inhaftiert war. Das Agora-Museum in Athen direkt neben der archäologischen Stätte zeigt drei der bedeutendsten Fundstücke für die attische Demokratie. Dies sind erstens die Losmaschine, mit der die Ämter an die einzelnen Bürger verlost wurden, die Stimmzettel des Scherbensgerichts, des Ostrakismos, bei dem das Volk Politiker, die zu mächtig wurden, verbannen konnte, und die Wasseruhr, die vor Gericht ohne Standesunterschiede jedem die gleiche Redezeit zuwies.

Am achten Tag, inzwischen war es Dienstag geworden, besichtigte die eine Gruppe mit Herrn Heße das panathenäische Stadion im Zentrum von Athen, das für die ersten olmypischen Spiele der Neuzeit auf dem Fundament des antiken Stadions errichtet wurde, während die andere Gruppe mit Herrn Dr. Schäfern und Herrn Schönemann das epigraphische Museum besuchte. Zum Programm gehörte auch der antike Friedhof Kerameikos, der, den antiken Sitten gemäß, außerhalb der ehemaligen Stadtmauern liegt. Von ihm führen zwei Straßen ab, die eine zur Akademie, der platonischen Philosophenschule, und die andere nach Eleusis. Vom Pompeion am Kerameikos begannen die Prozessionen der Panathenäen, des größten und wichtigsten Fest im antiken Athen.

Die Studienfahrt wurde klassisch mit der bedeutendsten Stätte in Griechenland überhaupt abgeschlossen, der Akropolis. Die Akropolis ist das Wahrzeichen Athens und wie so vieles in Griechenland Weltkulturerbe. Sie wurde 449 v. Chr. unter Perikles wiedererichtet, nachdem sie während der Perserkriege niedergebrannt wurde. An den Hängen der Akropolis befindet sich das Dionysos-Theater, in dem die großen Komödien und Tragödien der Antike während den Dionysien zum ersten und einzigen Male aufgeführt wurden. Größtes und bekanntestes Bauwerk auf der Akropolis ist der Parthenon-Tempel. Er hat eine Höhe von 14 m bei einer Grundfläche von 31 mal 70 Meter und ist damit einer der beeindruckendsten Tempel überhaupt. Im Inneren befand sich eine ca. elfeinhalb Meter hohe Statue der Athene aus Gold und Elfenbein, die jedoch seit spätrömischer Zeit als verschollen gilt. Der Parthenonfries befindet sich zu 90 Prozent im Britischen Museum in London, am Bau selber ersetzte man ihn durch Kopien.

Auf der Akropolis befindet sich auch der Nike-Tempel für die Siegesgöttin Nike sowie das Erechtheion. Dort befand sich der Sage nach der Ölbaum, den Athene im Wettstreit um die Stadt wachsen ließ. Unterhalb der Akropolis befindet sich das Akropolis-Museum, in dem neben Funden von den Hängen der Akropolis auch historische Alltagsgegenstände sowie eine Rekonstruktion des Parthenon-Fries sich befinden.

Der letzte Tag der Studienfahrt bedeutete für alle frühes Aufstehen, da bereits um sechs Uhr der Bus zum Athener Flughafen fuhr.
Die Fahrt war für alle Teilnehmer wohl sehr beeindruckend. Es war eine prägende Erfahrung, nicht nur die Wiege des Abendlandes, der westlichen Kultur, Philosophie und Staatsverfassung durch antike Stätten und Museen, sondern auch durch das alltägliche Geschehen in kleinen wie großen Städten zu erfahren. Man hat auf seine ganz eigene Art und Weise die Mentalität, Kultur und das Selbstverständnis der heutigen Griechen kennengelernt.

Text & Fotos: Philipp Oberberg.

— [Thomas Kozianka]

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